Unsere August Buchempfehlung

Titel: Märchenland für Alle
Herausgegeben von: Boldizsár M. Nagy
Illustration: Lilla Bölecz
Erschienen: Erstveröffentlichung in Ungarn 2020
Seitenanzahl: 192 Seiten
Themen: Queerness, Rollenbilder, Geschlechtsidentität, Armut, Familie, Vielfalt
Own Voices: Ja
Inhaltswarnungen: keine
Vom Ungarischen ins Deutsche übersetzt von Christina Kunze, Tünde Malomvölgyi und Timea Tankó. Das Buch wurde bisher in insgesamt 11 Sprachen übersetzt.
Leseschwierigkeit: ⭐️⭐️⭐️⭐️
Leicht
Die Märchen sind in einer leicht zugänglichen und verständlichen Sprache erzählt. Die einzelnen Geschichten sind kurz und man kann ihnen problemlos folgen. Das Buch ist geeignet für Kinder genauso wie für Erwachsene. Jede*r kann eine Lieblingsgeschichte finden!
Emotionale Intensität: ⭐️⭐️⭐️⭐️
Leicht
Die Geschichten sprechen durchaus emotionale Themen an, bleiben dabei aber insgesamt leicht und zugänglich. Es gibt Momente von Spannung, Traurigkeit oder Unsicherheit, die jedoch schnell wieder von Hoffnung, Mut oder einem positiven Ausgang abgelöst werden. Die emotionalen Konflikte wirken dadurch eher anregend und berührend als belastend. Insgesamt hinterlässt das Buch daher trotz seiner teilweise ernsten Themen ein positives und ermutigendes Gefühl.
Repräsentation: ⭐️⭐️⭐️⭐️⭐️
Nuanciert und empowernd
Märchenland für alle eröffnet vielfältige Perspektiven auf Identität, Familie, Liebe und gesellschaftliche Rollen. Unterschiedliche Lebensrealitäten und Figuren, die in klassischen Märchen oft wenig oder gar nicht vorkommen, werden selbstverständlich und wertschätzend dargestellt. Dabei werden die Figuren als vielschichtige Charaktere mit eigenen Wünschen, Stärken und Konflikten gezeigt. Die Geschichten können Leser*innen darin bestärken, den eigenen Weg zu gehen.
Gesamtbewertung: ⭐️⭐️⭐️⭐️⭐️
Sehr empfehlenswert
Das ungarische Original Meseország mindenkié wurde vom ungarischen Lesbenverband Labrisz herausgegeben und erschien 2020. Die Veröffentlichung stieß in Ungarn auf heftigen Widerstand durch rechtskonservative und nationalistische Kräfte. Es wurde angefeindet und zu boykottieren versucht. Die deutsche Ausgabe wurde vom STERN im Nachgang einer Reportage über die Unterdrückung queerer Menschen in Ungarn im Jahr 2021 veröffentlicht. Die Redaktion entschied sich dazu, das Buch herauszugeben, um diesem zu weiterer Aufmerksamkeit und Sichtbarkeit zu verhelfen und Kindern wie Erwachsenen auch in Deutschland Zugang zu Geschichten zu ermöglichen, in denen Vielfalt als selbstverständlich und normal dargestellt wird.
Das Buch versammelt insgesamt 17 Märchen von unterschiedlichen Autor*innen. Neun der Geschichten stammen von bereits etablierten ungarischen Schriftsteller*innen. Dazu kommen acht Beiträge von Nachwuchsautor*innen, die im Rahmen einer von Labrisz organisierten Ausschreibung ausgewählt wurden. Auch inhaltlich ist die Sammlung vielfältig: Einige Geschichten greifen Märchen wie Aschenputtel, Schneewittchen oder Hänsel und Gretel auf und erzählen sie aus einer neuen Perspektive. Andere lösen sich weiter von Vorlagen und führen die Leser*innen in neue Märchenwelten. Gerade diese Mischung macht das Buch abwechslungsreich und zeigt, wie unterschiedlich Märchen erzählt und neu interpretiert werden können.
Das Buch gibt Figuren Raum, die in klassischen Märchen oft nicht vorkommen. So geht es unter anderem um queere Liebe, Geschlechteridentität, unterschiedliche Lebensentwürfe und insbesondere das Aufbrechen traditioneller Rollenbilder. Die Geschichten stehen nicht ausschließlich für ihre politischen Botschaften, sondern funktionieren als unterhaltsame, leicht zugängliche Märchen mit fantasievollen Figuren und hoffnungsvollen Wendungen. Insgesamt ist Märchenland für alle damit ein ermutigendes und wichtiges Buch, das Vielfalt nicht nur thematisiert, sondern sie ganz selbstverständlich zum Teil der Märchenwelt macht.







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