Dieses Konzept ist in großen Teilen übernommen vom Konzept des LILA IN KÖLN Bündnis Awareness.

1. Was ist Awareness
Der englische Begriff ‚awareness‘ lässt sich mit Bewusstsein übersetzen. Im deutschsprachigen Raum steht der Begriff für eine Haltung und Praxis, die Diskriminierung und (sexualisierter) Gewalt entgegenwirkt und konsensbasiertes Handeln fördert.
Einerseits meint Awareness eine Struktur vor Ort, durch die Betroffene von Diskriminierung und Gewalt eine parteiliche Unterstützung erfahren. Gegebenenfalls können auch aufklärende Gespräche mit diskriminierenden oder gewaltausübenden Personen geführt werden. Die Basis dieser Arbeit bilden andererseits Prävention und Bildung: Veranstalter*innen, Besucher*innen, Personal und Künstler*innen bilden sich und tragen aktiv dazu bei, Gewalt und gesellschaftliche Strukturen der Ungleichheit abzubauen. Das bedeutet, dass alle an einer Veranstaltung beteiligten Personen Verantwortung für sich selbst und für den geteilten Raum übernehmen. Awareness hilft also dabei, einen bewussten Umgang mit eigenen Grenzen und Bedürfnissen zu finden und diese ebenso bei anderen wahrzunehmen und einzuhalten.
2. Arbeitsweise und Vorgehen des Awareness-Teams
Interventionsarbeit
Da wir uns als Awareness Team speziell für die Demonstration am 8. März zum Feministischen Kampftag zusammengeschlossen haben, haben wir begrenzte Kapazitäten und können daher keine Präventions- oder Bildungsarbeit leisten. Unser Fokus liegt daher vor allem auf der Intervention bei konkreten Anliegen, die an das Awareness-Team auf der Demo herangetragen werden oder die wir selbst mitbekommen.
Da die Demo im öffentlichen Raum stattfindet, ist es nicht möglich, einen Safer Space anzubieten. Die Personen unseres Awareness-Teams geben ihr Bestes, für Teilnehmende der Demo während Start- und Abschlusskundgebung, sowie während des Demo Zugs sichtbar und ansprechbar zu sein.
Proaktivität
Grundsätzlich geht es nicht um Wahrheitsfindung, sondern darum, die individuelle Erfahrung Betroffener in einer Situation anzuerkennen und diese zu unterstützen. Situationen können welche sein, die vom Awareness Team selbst beobachtet werden, die von anderen Personen beobachtet und dem Awareness-Team gemeldet werden und/oder Situationen, bei denen betroffene Personen selbst um Hilfe bitten. Dadurch beschreiben wir unseren Umgang mit Situationen als ein achtsam proaktives Vorgehen. Hierbei bleibt das Prinzip der Deutungshoheit bzw. Definitionsmacht in jeder Situation bestehen, d.h. die betroffene Person bestimmt zu jedem Zeitpunkt darüber, wie sie die Situation erlebt, ob sie Unterstützungsbedarf hat sowie über potenziell weitere Handlungsmöglichkeiten.
Parteilichkeit
Die betroffene Person kann darauf vertrauen, dass wir auf Seiten der betroffenen Person sind. Wir richten uns nach den Entscheidungen, Bedürfnissen und Wünschen dieser Person.
Definitionsmacht
Das individuelle Wahrnehmen und Erleben von Situationen werden anerkannt. Die betroffene Person hat die Macht darüber, wie eine Situation definiert wird. Dabei ist irrelevant, wie die Situation auf uns/Dritte gewirkt hat. Nimmt die betroffene Person eine Situation als grenzüberschreitend, gewaltvoll oder diskriminierend wahr, wird dies nicht von uns in Frage gestellt.
Vertraulichkeit
Gewalt- und Diskriminierungserfahrungen sind gesellschaftlich noch immer stigmatisiert und können über das Erlebte selbst hinaus weitreichende Folgen haben. Sie können Ausschlüsse aus Gruppen erfahren, nicht mehr ernst genommen und ständig hinterfragt werden oder schlicht anders behandelt werden als zuvor. Deshalb ist es wichtig, dass betroffene Personen selbst entscheiden, welche Informationen an andere Personen weitergelangen.
Privilegien
Wenn wir Diskriminierung abbauen wollen, ist es wichtig, unsere Privilegien zu reflektieren. Privilegien sind unsichtbare und meist unverdiente Vorteile von dominanten Gruppen aufgrund der Zugehörigkeit zu bestimmten soziodemografischen Gruppen. Privilegien haben bedeutet, gesellschaftlichen Normen zu entsprechen oder die Norm definieren zu dürfen. Und oft auch zu bestimmen, was wichtig ist. Privilegien sind abhängig vom Kontext. Eine Person kann in bestimmter Hinsicht oder gegenüber bestimmten Personen privilegiert sein und dennoch in anderen Kontexten diskriminiert werden.
Transparenz
Unser Awareness-Konzept ist auf der Webseite der Frauenberatungsstelle Krefeld und der Antidiskriminierungsstelle Krefeldeinsehbar. Wir sind bemüht, unser Vorgehen und Abläufe transparent und verlässlich zu halten. Wir wollen es für betroffene Personen verständlich machen, wo sie welche Unterstützung erhalten können. Wir möchten Herausforderungen offen kommunizieren.
3. Erreichbarkeit und Sichtbarkeit
Während der Demonstration sind wir anhand lila Warnwesten erkennbar. Das Awareness-Team stellt zwei Anlaufstellen auf der Demo zur Verfügung: einen zentralen Checkpoint am Ende des Demo Zugs sowie eine Kontaktstelle beim Lauti vorne am Demo Zug, über die Meldungen sowie Unterstützungsbedarf ans Awarenessteam weitergeleitet werden können. Zusätzlich bewegen sich Awareness-Personen frei über den Demo Zug verteilt und sind jederzeit ansprechbar. Außerdem sind die Frauenberatungsstelle Krefeld und die Antidiskriminierungsstelle Krefeld vor und nach der Demo erreichbar.
Kontakt-Liste für professionelle Unterstützung betroffener Personen
Anlaufstellen in Krefeld:
– Antidiskriminierungsstelle Krefeld: 02151 8934310 – mail@ad-kr.de
– Frauenberatungsstelle Krefeld e.V.: 02151 800571 – frauenberatung@frauenberatung-krefeld.de
– Vertrauliche Spurensicherung: 02151 32-3131, Lutherplatz 40 47805 Krefeld – Klinik für Frauenheilkunde und Geburtshilfe
Nach Gewalt:
– Hilfetelefon Gewalt gegen Frauen: 08000 116 016
– Hilfetelefon Gewalt an Männern: 0800 123 9900
– Notruf und Beratung für vergewaltigte Frauen: 0221 56 20 35 (Rückruf in Kürze mit unterdrückter Nummer)
Bei Psychischen Krisen:
– Ärztlicher Bereitschaftsdienst (gesundheitliche Notfälle): 116 117
– kirchl. Telefonseelsorge: 0800 111 0222 (kathol.); 0800 111 0111 (evang.)
– Notfallseelsorge (auch Suizidprävention): 111 011 1
– Nummer gegen Kummer (für Jugendliche): 116 111
Für den Heimweg:
– Heimwegtelefon (ab 20 Uhr, sonntags von 21 bis 24 Uhr): 030 1207 4182
– Taxi-Unternehmen: TAXI-Ruf Krefeld: 02151 22222
Taxiservice Krefeld: 02151 358898






